Fenchelhonig

In diesem Beitrag geht es um eine Spezialität: Fenchelhonig - ganz korrekt: Fenchelblütenhonig. Und zwar um den echten Fenchelhonig. Du fragst dich, ob es bei unserer strengen Honigverordnung “falschen” Fenchelhonig gibt? Ja, in der Tat. Und zwar völlig zurecht, wie du in den nachfolgenden Zeilen erfährst.
Honig aus der Fenchelblüte ist ein sehr seltener Honig. Er schmeckt kräftig, leicht holzig und absolut aromatisch. Während frischer Fenchel einen ausgeprägten Anisgeschmack hat, kommt dieser im Honig nur minimal zum Tragen.

Heilsamer Doldenblütler

Fenchel (Foeniculum vulgare) ist hierzulande in jedem Supermarkt präsent. Die ursprünglich im Mittelmeerraum und Vorderasien beheimatete Knolle wird zwar gerne als Zutat genutzt und verkauft sich auch ganz gut, doch große Fenchelfelder sind eher ungewöhnlich. Fenchel wird nicht nur als Gemüse oder Gewürz verwendet, sondern hat viele Anhänger in der traditionellen Heilkunde.

Es heißt beispielsweise, dass Hippokrates ein großer Anhänger der Knollenpflanze war. Auch Hildegard von Bingen schätzte die Eigenschaften des Doldenblütlers sehr. Fenchel wird eine positive Wirkung bei allerlei Beschwerden nachgesagt, teilweise sogar wissenschaftlich untermauert. So soll er wohltuend auf Magen und Darm sein, gegen Husten angehen, schleimlösend und lindernd bei Koliken wirken. Nicht nur in der Volksmedizin ist Fencheltee ein beliebtes Mittel gegen die Koliken bei Babys.

Was finden Bienen vor?

Fenchel ist eine zweijährige bis ausdauernde Pflanze, die eine stattliche Größe von bis zu 2 Metern erreichen kann. Ein großes fenchelfeld bietet also Bienen eine reichhaltige Tracht. Der kräftige, würzige Geruch nach Anis lässt zwar so manchen Spaziergänger entsetzt abbiegen, doch Bienen lassen sich hier nicht beeindrucken.

Die Blütenstände sind doppeldoldig und können einen Durchmesser bis zu 9 Zentimeter erreichen und bis zu 40 sogenannte “Döldchen” tragen. Diese wiederum enthalten teilweise weit über 30 Blüten. Kein Wunder, dass Fenchel bei diesem Angebot eine unwiderstehliche Bienenweide darstellt. Übrigens wächst Fenchel auch wild, besonders gerne an Feldrändern oder Hängen. Er mag es überall da, wo es warm und trocken ist.

Fenchelöl oder Fencheltee

Soll die Knollenpflanze als Gemüse verkauft werden, erfolgt ihre Ernte vor der Blüte. Nach der Blüte ist sie verholzt und nicht mehr als Gemüse zu vermarkten. Dient ein feld voller Fenchel zur Gewinnung von Fenchelöl oder Tee, erfolgt die Ernte nach der Blüte.

Echt oder nicht echt?

Echter Fenchelblütenhonig ist hierzulande sehr selten. Es gibt vereinzelt Landwirte, die Fenchel anbauen, doch verglichen beispielsweise mit Raps ist er doch sehr spärlich angesiedelt. Und doch finden sich in den Regalen vieler Supermärkte zahlreiche “Fenchelhonige”, die mit einer Vielzahl gesundheitsfördernder Aussagen belegt sind. Dabei handelt es sich in der Regel um eine Mischung aus Honig, Fenchelsirup und vielleicht etwas Fenchelöl. Aufmerksame Leser werden jetzt sofort über diesen einen Satz in der Honigverordnung stolpern: Honig darf weder etwas zugesetzt noch etwas entzogen werden. Denn dann ist es kein Honig mehr. Aber: fenchelhonig wurde lange vor Inkrafttreten der Honigverordnung als solcher bezeichnet. Deswegen genießt die sogenannte “Apothekenbezeichnung” einen besonderen Status.

Fenchelhonig - der Charakter

Fenchelhonig hat einen ausgeprägten Duft, der markante Würze verspricht. Er ist hell bis bernsteinfarben und wird meist - wie jeder Blütenhonig - in feincremiger Konsistenz angeboten. Seine hölzernen Töne sind warm und aromatisch. Imker, die ein Fenchelfeld in der Nähe ihrer Bienenstöcke haben, können sich glücklich schätzen. Denn dieser Sortenhonig zählt zu den absoluten Spezialitäten, die rar und gesucht sind.