Tannenhonig

Obwohl wir Imker eigentlich in der ersten Kategorisierung “nur” zwischen Blüten- und Honigtauhonig unterscheiden, gibt es doch einige Spezifikationen. Natürlich - Rapshonig ist Blütenhonig und Bienen, die im Wald Honigtau sammeln, produzieren Waldhonig. Doch genauso wie Blütenhonig nicht gleich Blütenhonig ist, ist Waldhonig nicht gleich Waldhonig. Verwirrend? Nein, gar nicht. Es gibt Waldhonig und es gibt Tannenhonig. Tannenhonig ist zwar Waldhonig, doch mit einem kleinen Unterschied: Nicht jeder Waldhonig darf als Tannenhonig bezeichnet werden. Da es hierzulande nur sehr wenige zusammenhängende Tannenwälder gibt, ist es eine regionale Spezialität, die ihren Ursprung im Schwarzwald hat.

Nur im Schwarzwald?

Nein, es gibt auch Tannenhonig aus anderen Regionen, doch eine gezielte Gewinnung dürfte eher die Ausnahme sein. Der Grund ist simpel: Es gibt tatsächlich nur im Schwarzwald so große zusammenhängende Tannenbestände, dass sich der Imker sicher sein kann, feinsten Tannenhonig - der auch als Weißtannenhonig bezeichnet wird - zu ernten.

Hin und wieder kann es einem Imker auch aus anderen Regionen gelingen, etwas Tannenhonig zu ernten, doch für die meisten lohnt sich schlicht die Analyse nicht. Ergo kann es dir passieren, dass du “normalen” Waldhonig kaufst und tatsächlich echten Tannenhonig bekommst.

Tannenhonig - Eigenschaften 

Der Honigtauhonig der Abies alba (Tanne) hat einen hohen Fructosegehalt, dafür jedoch nur wenig Glucose. Das ist der Grund, warum der dunkle Honig sehr lange flüssig bleibt und kaum zum Kandieren neigt. Er ist von tiefbrauner Farbe, die gerne etwas ins Grünliche schimmert. Vor allem seine geschmackliche Würze schmeckt ausgezeichnet, absolut harmonisch und hat ein fein-harziges Aroma. Fast könnte man meinen, den Geschmack nach duftendem Waldboden und zarten Tannennadeln zu erkennen - du merkst es, ich bin ein großer Freund von dieser exklusiven Honigsorte die sich leider nicht jedes Jahr einfach so ernten lässt. Er schmeckt jedenfalls kräftig, leicht herb, dabei punktet er mit zarter Süße. Genau diese elegante Verbindung der beiden Elemente machen aus einem Honig eine Delikatesse. Er enthält beispielsweise ätherische Öle, die ihn sogar zu einem traditionellen Hausmittel bei Katarrhen machen.

Alle sieben Jahre

Es gibt eine alte Regel, die besagt, dass es nur alle sieben Jahre Tannenhonig gibt - und da ist tatsächlich etwas dran, auch wenn sich die Erntezeit auf durchschnittlich alle zwei bis drei Jahre reduziert.

Ausschlaggebend für die Ernte sind zahlreiche Faktoren, darunter die Eisheiligen und die Schafskälte. Beide können die gesamte Erntemöglichkeit zunichte machen. Diese Tracht gehört sicher zu den sensibelsten überhaupt, ein ordentliches Sommergewitter ist genauso fatal wie eine andauernde Trockenheit. Das hochempfindliche System der Symbiose der roten Waldameisen mit den Waldinsekten Lecanien und Lachniden lässt sich nur allzu leicht aus dem Gleichgewicht bringen. Imker, die Tannenhonig ernten wollen, müssen ein untrügliches Gespür dafür haben, wann es mit der Tracht losgeht.

Passt alles?

Die Weißtanne und ihre “Bewohner” mögen es gerne mild, windstill und feucht. Passen die klimatischen Bedingungen, sondert der Baum an den Nadelspitzen seinen Saft ab, der beispielsweise von der grünen Tannenhoniglaus (Cinara pectinatae) oder der Tannenrindenlaus (Cinara confinis) verzehrt wird. Alles, was die Lausarten zu viel aufsaugen, scheiden sie wieder als eine kristallklare Flüssigkeit aus: Honigtau. Diesen holen sich Bienen und andere Insekten - wie gesagt: wenn alles passt. Das heißt: Greife zu, wenn es Tannenhonig gibt. Wer weiß, wann er wieder erhältlich ist?