Wabenhonig – Scheibenhonig

Wie sich die Zeiten ändern können, ist an der sogenannten “Götterspeise” ersichtlich. Heute ist das eine Süßspeise, hergestellt mit Gelatine, Zucker-, Aroma- und meist auch noch Farbstoffen. Zur Zeit der alten Germanen gab es auch schon eine Götterspeise - natürlich vollkommen ohne Zucker, Aromastoffe oder Gelatine: Reiner Wabenhonig, teilweise auch als Scheibenhonig bekannt.

Die Menschen wussten offensichtlich damals schon, was gut ist, denn heute ist wabenhonig eine echte Delikatesse, die immer mehr die Aufmerksamkeit bekommt, die ihr zusteht - so meine Meinung.

Wabenhonig? Schleuderhonig? Unterschiede?

Der am häufigsten hergestellte Honig ist sogenannter “Schleuderhonig”. Das bedeutet, dass der Imker den Honig aus den Waben per Zentrifugalkraft ausschleudert, nachdem er die Waben entdeckelt hat. Dabei gehen weder die Waben kaputt noch geschieht der Brut Ungemach. Die Waben lassen sich auf diesem Wege wieder verwenden. Übrigens wird Honig natürlich ohne Wärmezugabe geschleudert, deswegen ist der Zusatz “kaltgeschleudert” als Werbemethode so nicht erlaubt, da er immer kaltgeschleudert ist.

Wabenhonig (beim Heidehonig als Scheibenhonig bezeichnet) hingegen wird nicht geschleudert. Der Imker entnimmt fertige Honigwaben, indem er Stücke davon ausschneidet und direkt in ein Glas füllt. Klingt kompliziert? Ist es nicht.

Die Honigverordnung

In der Honigverordnung lässt sich nachlesen, was als Wabenhonig definiert wird (Anlage 1, Abschnitt 1, Punkt 3):

Von Bienen in den gedeckelten, brutfreien Zellen der von ihnen frisch gebauten Honigwaben oder in Honigwaben aus feinen, ausschließlich aus Bienenwachs hergestellten gewaffelten Wachsblättern gespeicherter Honig, der in ganzen oder geteilten Waben gehandelt wird.

Damit wird klar, was Wabenhonig ist. Beim Schleuderhonig wird die Verdeckelung vom Imker entfernt, beim Wabenhonig nicht. Bienen wissen selbst am besten, wann der Honig reif ist und verschließen die Wabenzelle, indem sie einen Wachsdeckel anbringen. Erst dieser Deckel (deswegen auch Verdeckelung) zeigt dem Imker an, dass der Honig reif ist. Beim Schleuderhonig sollten etwa ⅔ der Waben verdeckelt sein, dann ist der Honig reif. Beim wabenhonig hingegen muss die Wabe zu 100 Prozent verdeckelt sein.

Sicher reif

Wabenhonig gibt es also nur mit absolut reifem Honig. Keine Maschine kann hier eine Täuschung einläuten, alleine die Bienen entscheiden über den Reifegrad. Somit kannst du bei dieser Honigform  sicher sein, Honig zu bekommen, der den absoluten Reifegrad hat.

Heidehonig gleich Scheibenhonig?

In der Lüneburger Heide hat die Korbimkerei Tradition. heidehonig hat seine eigenen Eigenschaften, es ist kaum möglich, den geleeartigen Honig aus Naturbauwaben ohne Rahmen zu schleudern. Deswegen gibt es hier häufig Wabenhonig,  in dieser Region meist als Scheibenhonig bezeichnet.

Einfach geerntet, aufwendig gelagert

Die Ernte von Wabenhonig ist denkbar einfach: Reife Wabe ausschneiden, verpacken, fertig. Doch kaum ein Verbraucher würde sich für die Spezialität interessieren, wäre sie lieblos verpackt. Zudem sollte sich das Behältnis, in dem der Wabenhonig aufbewahrt wird, gut verschließen lassen.

Für eine sympathische Verkaufspräsentation nutzen viele Imker spezielle Holzsteckrahmen, die sie den Bienen zum Bebauen geben. Diese Rahmen haben bereits ihren Preis, beeinflusst von der Wachsqualität.

Entweder nimmt der Imker zur Gewinnung von Wabenhonig Bio-Mittelwände oder er lässt seine Bienen die Waben komplett selbst bauen (Jungfernbau). Das dauert natürlich bis zur Ernte des Honigs deutlich länger. Beim Schleuderhonig entnimmt der Imker die Waben, schleudert sie, setzt sie wieder ein. Beim Wabenhonig erfolgt immer zuerst einmal der Wabenbau.

Die Wabe mitessen?

Es gibt Honigfreunde, die die Wabe mitessen, ja. Die meisten werden eine Zeitlang auf ihr herumkauen, um sie auszuspucken, wenn sie leer ist - das ist auch meine Empfehlung. Das Schlucken der Wabe schadet zwar nicht, bringt aber auch nichts. Eine andere Möglichkeit bietet natürlich noch die normale Verwendung: Den Honig direkt von der Wabe aufs Butterbrot tropfen zu lassen.