Wie funktioniert eine Honigschleuder?

Honigschleuder

1. Wie kommt man an den Honig?

Honig ist so zähflüssig, dass er aus den Zellen der Bienenwaben freiwillig kaum herausläuft. Wachsdeckel auf den Vorratszellen sollen das zusätzlich verhindern. Was die Bienen im Winter benötigen, holen sie sich mit ihren Mundwerkzeugen heraus.
Will der Imker an den Honig herankommen, muss er etwas nachhelfen. Früher geschah das, indem man ihn mit Wärme flüssiger machte. Oder man schmolz die kompletten Waben ein, um Wachs und Honig zu trennen.

Eine Erhitzung vermeidet man heutzutage, da sie die wertvollen Enzyme im Honig zerstört, und Wachsbrocken im Honig sind nicht jedermanns Geschmack. Die Lösung sind wiederverwendbare Holzrahmen. Presshonig wurde regelrecht gekeltert.

2. Holzrahmen erleichtern die Honiggewinnung

Honigschleuder
Bildquelle: https://bienen.info/die-honigschleuder-unverzichtbar-fuer-jeden-imker/

Mit der Erfindung der Wabenrahmen im 19. Jahrhundert war es erstmals möglich, den Bienen vorgefertigte Holzstrukturen zur Verfügung zu stellen. Diese Rahmen werden im Bienenstock an Holzleisten befestigt. Dort bauen die Tiere ihre Waben hinein, die sich dank der Verankerung jederzeit entfernen und wieder einsetzen lassen.

Vorteil dieser hilfreichen Rahmenbedingungen: Man kann nicht nur die kompletten Waben, sondern auch den Honig herausholen und hinterher die leeren Vorratsbehälter den Bienen erneut zur Verfügung stellen. So beschränkt sich ihre Mehrarbeit auf das Einlagern von neuem Honig und nicht auf den mühseligen Neubau der Waben.

3. Wie eine Zentrifuge arbeitet

Den viskosen Honig bekommt man aus den Waben, indem man der Erdanziehungskraft etwas nachhilft. Das geschieht mit Hilfe der Fliehkraft, ähnlich wie in einem Karussell. Eine Zentrifuge bringt die eingesetzten Wabenrahmen in Bewegung, sodass die künstliche Schwerkraft den Inhalt heraustreibt.

Die Honigschleuder besteht aus einem Kessel, in dem sich eine Haltevorrichtung an einer drehbaren Stange befindet. Daran lassen sich die Wabenrahmen befestigen und in Rotation versetzen. Einfache Modelle verwenden dafür eine Handkurbel, etwas komfortabler sind kleine Elektromotoren.

4. Vorbereitungen

Um den Honig aus den Waben herauszubekommen, muss man zunächst mit einem speziellen Messer oder Schaber die schützenden Wachsdeckel auf beiden Seiten abkratzen.

Danach spannt der Imker die Rahmen in die Haltevorrichtungen im Inneren der Zentrifuge ein. Sodann kommt der Deckel mit Kurbel oder Motor darauf und die Honigernte kann beginnen.

5. Zentrifugation

Dreht sich im Inneren der Honigschleuder der Korb mit den Wabenrahmen um die eigene Achse, zieht die Fliehkraft den Honig aus den Zellen heraus. Er landet an der Wand des Behälters und läuft dort herunter. Unten am Boden sammelt sich er sich und fließt über eine Öffnung aus dem Kessel heraus.

Mit einem Sieb lässt sich verhindern, dass gröbere Bestandteile und Wachsreste in das Endprodukt gelangen. Ist der Eimer voll, sammeln sich mit der Zeit Luftblasen und Wachsteilchen an der Oberfläche. Dort schäumt sie der Imker ab, bevor er den Honig gründlich umgerührt und in vorbereitete Gläser abfüllt.

6. Tangential-, Radial- und Selbstwendeschleuder

Es gibt verschiedene Ausführungen von Honigschleudern: Tangential-, Radial- und Selbstwendeschleudern. Elektronische Modelle sind komfortabel und bieten verschiedene optimierte Programme, die automatisch ablaufen.

Bei der Tangentialschleuder handelt es sich um die einfachste und kostengünstigste Variante. Hier stehen die eingesetzten Wabenrahmen tangential zur Kesselwand. Der Haken an der Sache: Durch die Mittelwände kommt der Honig aus den innen gelegenen Zellen nicht nach draußen. Daher muss der Imker die Rahmen einmal umdrehen, sobald die eine Hälfte geleert ist.

In eine Radialschleuder passen mehr Rahmen hinein, die etwas kleiner sein müssen als die größten für eine Tangentialschleuder. Sie werden hier radial zur Drehachse eingehängt, ähnlich wie die Speichen eines Rades. Hier sind die Mittelwände nicht hinderlich, und der Honig läuft auf beiden Seiten der Wabe ab. Problematisch wird es nur, wenn der Imker allzu fleißig kurbelt. In einem solchen Fall können die Waben brechen.

Insbesondere für zähflüssige Honigsorten, die partout nicht aus ihrem Lager herauswollen, empfiehlt sich die Selbstwendeschleuder. Hier stehen die Holzrahmen zunächst wie in einer Radialschleuder radial zur Längsachse. Eine spezielle Vorrichtung in der Halterung sorgt dafür, dass sich die Rahmen mit der einen oder mit der anderen Seite tangential ausrichten, je nachdem ob man im oder gegen den Uhrzeigersinn dreht. Eine Änderung der Drehrichtung während des Schleudervorgangs reicht aus, um die andere Seite nach außen zu drehen und den Honig hervorzuholen. Auf diese Weise lassen sich selbst hartnäckige Honigsorten gewinnen, ohne dass der Imker sie wie bei der Tangentialschleuder wenden muss.

7. Nach der Honiggewinnung

Sind die Waben entleert, entnimmt der Imker die Holzrahmen aus der Honigzentrifuge und setzt sie wieder in den Bienenstock ein. Seine fleißigen Mitarbeiterinnen kümmern sich umgehend darum, die stibitzten Vorräte nach Kräften neu aufzufüllen.

Eine gründliche Säuberung der Honigschleuder ist ein Muss – schließlich handelt es sich dabei um ein Gerät zur Erzeugung eines natürlichen Lebensmittels. Praktischerweise muss man nun nicht mehr auf die Temperatur achten – Honigreste lösen sich sehr gut in heißem Wasser, sodass der Apparat schnell wieder auf Hochglanz gebracht ist.

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